Direktvermarktung in Österreich

Regionale Lebensmittel bekannter Herkunft liegen nach wie vor im Trend, obwohl gleichzeitig die Globalisierung in der Lebensmittelproduktion zunimmt. Ist das nun ein Widerspruch oder ein Chance für Produkte direkt ab Hof?

Konsumentinnen und Konsumenten erwarten, dass die Produktion von Lebensmitteln den Ansprüchen eines harmonischen Umgangs von Mensch und Natur entspricht. Jedoch zeigen sie nur teilweise ein entsprechend konsequentes Einkaufsverhalten. Fakt ist: Die meisten Verbraucher sind nicht einem bestimmten Käufertyp zuordenbar – sie kaufen sowohl regionale als auch globale Waren. Der Lebensmitteleinzelhandel zeigt vor, dass mit konventionellen Eigen- und mit Bio-Marken vermeintlich verschiedene Zielgruppen gleichzeitig bedient werden können. Er ist auch in puncto Regionalität auf Expansionskurs und geht begrifflich mitunter sehr großzügig vor. Mit ein Grund dafür ist das begrenzt verfügbare Sortiment regionaler Produkte.

Die Nachfrage nach regionalen Produkten bekannter Herkunft ist also groß und für Betriebe, die in die Direktvermarktung einsteigen möchten, ist Potenzial am Markt. Ob Vorteile oder Aufwand überwiegen, ist beim einzelnen Betrieb gründlich zu durchleuchten. Die Anforderungen an Produkte, Qualität, Marketing und Engagement sind hoch und ein gut geplantes und in der Familie akzeptiertes Konzept ist unbedingt erforderlich. Jedenfalls schätzen die Kunden außer der besonderen Qualität der Waren auch die direkte Information, wodurch die Austauschbarkeit gering wird. In den Folgenden Zeilen habe ich ein paar Ergbnisse der KeyQuest Marktforschung DV-Studie 2016 für euch:

Professionalisierung
27% aller Landwirte (36.000 Betriebe) vermarkten einen Teil ihrer Erzeugnisse selbst und erwirtschaften damit im Durchschnitt 34% ihres landwirtschaftlichen Einkommens. Die Zahl der "Nebenbei"-Direktvermarkter nimmt ab, wohingegen die Zahl der "Intensiv-Direktvermarkter" mit einem durchschnittlichen Einkommensanteil von 51% durch diese Vermarktungsform steigt.

An der Spitze der Hitliste der Produkte ist Fleisch
Typisch für die Direktvermarktung ist nach wie vor die Produktvielfalt. Die Vermarktung von Fleisch und Fleischerzeugnissen (40%) wird wahrscheinlich aufgrund der notwendigen Investitionen mit Konsequenz und finanzieller Bedeutung ausgeführt. Etwa 28% der Direktvermarkter bieten Milch und Milchprodukt an, wobei das Ausmaß der erwirtschafteten Einkommensanteile untergeordnet ist. Das bedeutet, die Milchdirektvermarktung wird häufiger "nebenbei" betrieben. Betriebe mit Wein, Obst, Spirituosen, Getreide sowie Eiern konnten in den letzten Jahren zulegen.

Ab-Hof-Verkauf hat größte Bedeutung
Bezüglich Vermarktungswegen bleiben die Direktvermarkter breit aufgestellt. Je größer die Bedeutung der Direktvermarktung ist, umso mehr Vertriebswege werden genutzt. Klar an der Spitze bleibt der Ab-Hof-Verkauf (77%), gefolgt von Zustellung, Bauernmarkt, Bauernladen und Internet. Zuwächse gab es bei Kooperationen mit Gastronomie, Buschenschänken und Lebensmittelhandel sowie bei der Vermarktung via Internet.

Direktvermarktung schafft 31.000 Arbeitsplätze
Durch die Direktvermarktung werden auf Österreichs Bauernhöfen etwa 31.000 Vollzeit-Arbeitsplätze gesichert. Je größer die Bedeutung der Direktvermarktung für den Betrieb ist, umso eher sind Bäuerin und Bauer gleichermaßen verantwortlich.

Direktvermarkter haben positive Zukunftsvisionen
Für 39% hat die Bedeutung der Direktvermarktung zugenommen und für 46% ist sie gleich geblieben. Wichtigste Gründe dafür sind die starke Nachfrage und Konzentration auf den Betriebszweig. 8% denken über einen Einstieg in die Direktvermarktung nach. Sie erwarten für ihre Produkte faire Preise, eine höhere Wertschöpfung, die Erzielung von Einkommen und die Sicherung des Arbeitsplatzes am Bauernhof.